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Vortragstext von Sabine Müller

Klassische Homöopathie
Eine wirksame Alternative beim Tourette Syndrom?

Liebe Zuhörerrinnen, liebe Zuhörer,

zunächst möchte ich mich Ihnen kurz selbst vorstellen: Mein Name ist Sabine Müller. Ich bin Heilpraktikerin und beschäftige mich seit mehreren Jahren intensiv und ausschließlich mit Klassischer Homöopathie. Klassisch deshalb, weil ich streng nach den Regeln Hahnemanns, dem Begründer der Homöopathie arbeite.

Aber auch aus einem anderen Grund bin ich hoch motiviert, über dieses Thema zu referieren. Ich habe einen Angehörigen im weiteren Familienkreis der vom Tourette-Syndrom betroffen ist und der seit langem - meiner Meinung nach erfolgreich- homöopathisch behandelt wird.

Ärzte und Wissenschaftler erforschen das TS-Syndrom mit komplizierten Untersuchungen und Testverfahren, mit dem Ziel herauszufinden, welches Gehirnareal gestört oder vielleicht fehl gebildet ist, um so mögliche Behandlungsstrategien entwickeln zu können.

Wir Homöopathen haben eine ganz eigene Betrachtungsweise: Wir beobachten und hören dem Betreffenden zu, wenn er uns erzählt, was ihn plagt, um den ganzen Menschen kennen zu lernen, nicht nur einzelne Teile seiner Gehirnstrukturen.
Im § 1 des Organon (dem grundlegenden Werk der Homöopathie) sagt Hahnemann:

"Des Arztes höchster und einziger Beruf ist es,
kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt."

Kranke Menschen? - den ganzen Menschen, nicht nur einzeln Teile seines Körpers.
In einem ausführlichen Gespräch versuchen wir jeden Patienten als einzigartige, unverwechselbare Persönlichkeit zu erfassen.

Wir stellen unsere eigene Diagnose nicht für alle Patienten einheitlich als Begriff Tourette-Syndrom, sondern in Form eines Arzneimittelbildes, in dessen Beschreibung (in der homöopathischen Literatur) wir den Menschen und seine Problematik möglichst "ähnlich" wieder finden können. Stellen sich in unseren Praxen z.B. 10 Patienten mit der Diagnose Tourette-Syndrom vor, wird ein Homöopath vielleicht 10 verschiedene Diagnosen stellen, da jeder Mensch einmalig ist und seine Beschwerden vielleicht kleine, aber dennoch wichtige Unterschiede zeigen.

Am Beispiel des Fiebers kann man dies besonders gut verdeutlichen:
Kommt ein Kind mit sehr hohem Fieber zum Arzt, so reicht ihm diese eine Information, um ein Medikament zu verschreiben. Kommt der gleiche Pat. aber zum Homöopath wird er erst viele Fragen stellen müssen, z.B., wie sich das Kind im Fieber verhält, ob er dabei schwitzt oder nicht, ob es Auslöser, wie kalten Wind gab. Erst so kann man ein richtiges Arzneimittelbild zuordnen, den richtigen Schlüssel zum Schloss finden, um das Fieber zu beseitigen.

Um sich ein Urteil über die klassische Homöopathie als mögliche alternative Therapiemethode bilden zu können, sollte man das Eine oder Andere über deren Verfahrens- und Wirkungsweise kennen. Dazu hier ein paar Erläuterungen:

Die zentrale Aussage Hahnemanns und Grundlage der Homöopathie ist die Ähnlichkeitsregel:

"Similia similibus currentur" - Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt.

Dies heißt, dass Mittel, die bei Einnahme durch einen Gesunden ähnliche Symptome erzeugen, wie diejenigen von denen der Patient betroffen ist, eine Heilung oder Besserung herbeiführen können.

Beispiel: Allium cepa - die Küchenzwiebel
Schneiden Sie ein Zwiebel, tränen und brennen Ihre Augen, ihre Nase beginnt zu laufen mit einem brennendem, die Umgebung reizendem wässrigen Sekret. Kommt ein Patient mit diesen Erkältungssymptomen in meine Praxis, werde ich ihm die Küchenzwiebel als homöopathisches Medikament verordnen.
Ist das Nasensekret jedoch nicht brennend und wässrig, sondern z.B. mild und gelb, wird durch diese kleine Veränderung in der Symptomatik ein anderes Mittel nötig sein, um Abhilfe zu schaffen.Daraus erkennen sie, dass es kein allgemein wirksames Mittel gegen Schnupfen gibt. Das gleiche gilt für das Tourette-Syndrom: Es gibt kein homöopathisches Mittel gegen das Tourette-Syndrom, nur eines für den am Tourette-Syndrom erkrankten Menschen, für jeden ein individuelles, zu seiner Person passendes.

Ein klassisch arbeitender Homöopath wird immer nur dieses eine passende Mittel verordnen, niemals Komplexmittel, in denen mehrere Substanzen gleichzeitig verabreicht werden.

In der Anamnese, der Fallaufnahme, versuchen wir in einem mehrstündigen Gespräch ein möglichst genaues individuelles, unverwechselbares Bild über die sich uns anvertrauende Person zu gewinnen. Hier sind Symptome auf körperlicher Ebene ebenso wichtig wie die auf seelischer (Gefühlsebene, z.B. Angst, Kummer, Wut) und geistiger Ebene (Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, Zwänge ...).

Die Informationen setzen sich wie ein Puzzlespiel zusammen, je mehr einzelne Teile gefunden und zusammengesetzt wurden, desto genauer ist das Gesamtbild erkennbar.

Nun sucht der Homöopath ein Mittel, das beim Gesunden in der Arzneimittelprüfung möglichst viele ähnliche Symptome hervorgebracht hat. In einer solchen Prüfung nehmen Testpersonen das Mittel ein und notieren alle Veränderungen auf den drei Ebenen (wie z.B. auftretende Schmerzen, Wesensveränderungen) die anschließend aufgetreten sind. So entsteht ein Arzneimittelbild, das uns alle wichtigen Informationen zu der Wirkungsweise des Arzneimittels (den Symptomen, die es zu heilen vermag) liefert.

Nach der Mittelfíndung heißt es nun, das nächste Problem zu lösen, das der richtigen Potenz. Es gilt diejenige auszuwählen, welche in der Lage ist dem Patienten zu helfen, bzw. welche in der Lage ist, seine Lebenskraft zu stärken, denn:
Krankheit ist immer eine Störung der Lebenskraft, d.h. der Kraft, die uns überhaupt am Leben und gesund erhält. Ist sie geschwächt entstehen Krankheitszeichen, Symptome, um auf die Schwäche oder Störung aufmerksam zu machen. Je stärker die Beeinträchtigung der Lebenskraft, desto schwerwiegender die Symptome. Anfangs treten sie auf körperlicher Ebene auf, später kommen solche auf seelsicher und geistige Ebene hinzu. Wird die Lebenskraft, z.B. über homöopathische Mittel gestärkt, werden die Symptome nicht mehr benötigt und verschwinden.

Nun rede ich aber schon eine ganze Zeit über Potenzen, ohne zu wissen, was man eigentlich darunter versteht. Zur Potenzierung gehört zunächst die z.T. sehr starke Verdünnung des Ausgangsstoffes. Dadurch kann man auch als Ursubstanz hochgiftige Substanzen, wie z.B. Stechapfel zu Heilzwecken verwenden. An die Verdünnung schließt sich die Verschüttelung an, wodurch das Mittel erst seine Heilkraft entfalten kann und wodurch es in die Lage versetzt wird die Lebenskraft zu stärken. Aber nur die individuelle passende Potenz kann der geschwächten Lebenskraft nutzen, um so die Heilreaktion anzustoßen.

Je nach Verdünnungsverhältnis und Anzahl der Schüttelschläge entstehen die verschiedenen Potenzarten (D-, C- und LM-Potenzen) und Stufen (D1, D2, C6, C30, C200 usw.)

Beim Tourette-Syndrom finde ich die LM-Potenzen besonders günstig, da man sie besonders individuell dosieren und so unangenehme Erstreaktionen weitgehendst vermeiden kann.

Nach einer Mittelgabe sind immer bestimmte Heilreaktionen zu erwarten, die einem Homöopathen zeigen, ob das Mittel richtig gewählt wurde.


Alter von 5 Jahren mit motorischen Tics, wie Trippelschritte, hüpfen, grimassieren, blinzeln, Augenrollen, welche immer wieder wechselten. Später kamen vokale Tics (fiepen, grunzen) hinzu.
Begleitet wurden die Tics von anderen Symptomen:

Dies alles wurde in einem psychologischen Gutachten bestätigt, bei dem auch noch ein geringfügiges ADHS-Syndrom festgestellt wurde.
Der Patient wurde anfangs mit Tiapridex behandelt, auf anraten der Psychologin sollte Ritalin als Stimulanzium hinzukommen.

Durch Tiapridex verschwanden die Tics zwar fast vollständig, jedoch traten heftige Nebenwirkungen auf. Er war ständig müde, apathisch, gleichgültig, interessierte sich für nichts mehr. Daraufhin setzten die Eltern die Medikation ab, wodurch die Tics aber in unveränderter Stärke zurückkamen. So stellte sich die Frage: "Was tun?"

Die Eltern entschlossen sich zu einer alternativ-medizinischen Behandlung und stellten das Kind in meiner Praxis vor.

Es waren nacheinander mehrere Mittel notwendig, bis wir die jetzige zufrieden stellende Situation erreichten.

Ich möchte ganz bewusst keine Namen von Mitteln erwähnen, um niemand zu Selbstversuchen zu verleiten, weil vielleicht das eine oder andere Symptom dieses Patienten auch auf ihn zutrifft. Obwohl frei verkäuflich sollten homöopathische Mittel bei chronischen Erkrankungen wie dem Tourette-Syndrom nur nach eingehender Anamnese vom Fachmann verordnet werden, der den Verlauf dann auch adäquat begleiten kann.

Nach dem ersten Mittel gab es einen extremen Rückgang vokaler Tics, die motorischen aber blieben. Seine Zwangshandlungen verschwanden, er wurde zugänglicher, hatte weniger und nicht so ausgeprägte Wutanfälle, aber die Ängste hielten in unverminderter Stärke an.

Auf Grund dieses Befundes und nachdem das Mittel ausgewirkt hatte (man merkte dies an einer schlechteren seelischen Verfassung), wechselte ich das Mittel. Er bekam ein anderes Mittel in LM-Potenzen in äußerst vorsichtiger Dosierung, um heftige Erstreaktionen zu vermeiden. Dadurch stellten sich mit der ersten Potenzstufe nur geringe Veränderungen ein, die jedoch für fachkundige Augen und Ohren reichten, um zu bestätigen, dass das Mittel gut gewählt war. Im Laufe der nächst höheren Potenzstufe reduzierten sich die Tics allmählich, zum Schluss traten sie nur noch im Gesicht auf.

Nach Gabe der dritten Potenzstufe stellte sich eine hervorragende positive seelische Veränderung ein, verbunden aber mit heftigen Gesichtstics. Hier konnten wir praktische beobachten, dass Heilung von innen nach außen geht à seelische Besserung, dafür extreme körperliche Zeichen.

Der junge Patient verlor seine Ängste vor der Dunkelheit und dem Alleinsein (die Eltern können abends wieder ausgehen und ihn allein daheim lassen). Inzwischen ist er selbstbewusst, öffnet sich anderen, hat viele Freunde, besucht sie, übernachtet dort und fährt mit ihnen ohne Begleitung umher. Dies alles wäre noch vor einem halben Jahr undenkbar gewesen, wegen seinen multiplen Ängsten. Auch die Gesichtstics haben sich auf ein Mindestmaß reduziert (gelegentliches Blinzeln und grinsen).

Trotz dieser enormen Verbesserung glaube ich, dass ich diesen Patienten z.B. über die Pubertät weiter homöopathisch begleiten werden muss.

Zum Schluss meiner Ausführungen lassen sie mich das Für und Wider zu der Frage , ob Homöopathie eine gute Alternative zur Schulmedizin ist zusammenfassen.
Nach der Mittelgabe dauert es oft lang bis wirkliche Erfolge für den Patienten sichtbar werden. Dies ist abhängig vom Mittel.

Man muss also Geduld, aber auch Selbstdisziplin und aktive Mitarbeit mitbringen. Jedoch wird jeder sorgfältig arbeitende Therapeut versuchen, ihnen über Krisenzeiten hinweghelfen und sie über jede kleine Verbesserungen aufklären, die für sie nicht sofort erkennbar sind, sodass man immer wieder neuen Mut fasst.
Grundsätzlich sollten sie immer bereit sein, eine homöopathische Behandlung für ein bis zwei Jahre fortzuführen, um Aussagen über die Wirksamkeit beim einzelnen Patienten machen zu können.

Mit zunehmendem Alter wird eine homöopathische Behandlung zunehmend schwieriger und langwieriger.

Nun aber zu den positiven Aspekten dieser alten Heilmethode.

Hahnemann sagte schon im Organon, dass die Homöopathie in der Lage sei "Sanft, schnell und dauerhaft zu heilen". Über das Thema schnell haben wir ja vorher schon gesprochen. Hier kann man Hahnemann v.a. in chronischen Fällen wie dem Tourette-Syndrom heute nicht mehr beipflichten. Im zweiten Teil des Satzes wird aber der für mich entscheidende Vorteil der Homöopathie angesprochen: es ist es eine sehr sanfte , schonende Methode ohne Nebenwirkungen.

Nach Hahnemann behandelt man den ganzen Menschen, nicht nur seine Tics, so dass für zusätzliche Probleme wie z.B. seelische Störungen oder andere organische Probleme keine zusätzlichen Medikamente eingenommen werden müssen. Der zuvor beschriebene Patient litt seit seiner Kindheit immer wieder an Ohrenschmerzen, die unter der homöopathischen Behandlung vollständig verschwanden, ohne dass er dafür ein eigenes Medikament verordnet bekam.

Bei Kindern ist immer wieder hilfreich, dass keine ständigen Mitteleinnahmen erforderlich sind. Die verordneten Globuli haben bei den C-Potenzen nach einer einmaligen Gabe eine Depotwirkung von mehreren Wochen bis zu einem halben Jahr oder länger. Auch eine einmal erreichte Besserung kann sich ohne weitere Gaben über Monate oder Jahre halten.

Da für die weitere Betreuung der Pat. auch weiterhin Gespräche und keine apparativen Untersuchungen nötig sind, müssen wir die Patienten, auch wenn die Behandlung gut läuft, nur in größeren Abständen persönlich sehen. Nach der mehrstündigen Fallaufnahme lassen sich viele Dinge telefonisch klären, was zur Entlastung von Kindern und Eltern beiträgt.

Es wird in der heutigen Zeit nicht unbedingt möglich sein eine vollständige Heilung - wie Hahnemann es forderte - zu erreichen, jedoch auf jeden Fall eine wesentliche Linderung auf schonende Art und Weise.

Meine Damen und Herren, sie können nun selbst darüber reflektieren, ob für sie die Homöopathie eine Alternative in der Behandlung des Tourette-Syndroms darstellt. Für mich ist es jedenfalls immer einen Versuch wert. Da mir der Weg zurück zur Schulmedizin jederzeit offen steht.

Sollte Ihnen in der letzten halben Stunde manches zu schnell gegangen sein, so können sie den Vortrag sowie weitere Informationen zur Homöopathie gerne nochmals in aller Ruhe in meiner Webseite nachlesen. Sie finden sie unter www.sabinemueller.de

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