
Danksagung und Ansprache
zum Oskar-Kuhn-Preis 2003
von Christian Hempel
Sehr geehrte Damen und Herren,
als Kind - ich bin in Berlin aufgewachsen - ging ich oft staunend ins ICC Berlin und habe nur gespielt, einmal hierher eingeladen zu sein und wie heute vor Ihnen zu reden.
Ich freue mich sehr über den Oskar-Kuhn Preis 2003 und bedanke mich neben der wertvollen Auszeichnung für die damit verbundene Öffentlichkeit und das Preisgeld.
Natürlich gilt diese Auszeichnung nicht nur mir persönlich, sondern auch den vielen Mitwirkenden an dem Projekt Tourette Online und www.tourette.de. Das sind Menschen mit und ohne Tourette Syndrom, das sind Freunde und fachliche Berater, das ist die Tourette Gesellschaft Deutschland e.V. und das sind Ärzte, die alle ehrenamtlich und wahnsinnig engagiert für die schwierige Aufgabe eintreten, etwas nach Außen zu erklären, was äußerst schwer zu vermitteln ist.
Starten sie die PR-Übung für Fortgeschrittene, in einer ruhigen Umgebung lauthals loszuschreien besser mit Blick auf den Notausgang und ihre körperliche Fitness oder merken Sie sich mindestens die Internetadresse www.tourette.de.
Auch die eigentlich für jeden Menschen selbstverständliche Mobilität, wird mit einem stark ausgeprägten Tourette Syndrom in Frage gestellt. Einfach los und raus, einfach in irgendein Hotel - das wird mit Tourette schnell zu einem Problem.
Das Preisgeld soll deswegen den Anfang zu einem auf Tourette Bedürfnisse ausgestatteten Reisemobil bilden. Weitere Sponsoren oder großzügige Autohersteller werden hierfür dringend gesucht.
Bei den vielen Medienaktivitäten zum Tourette Syndrom in der jüngsten Zeit, ist es um so wichtiger, zu erwähnen, was leicht vergessen wird: Das Tourette Syndrom gehört immer noch zu den am wenigsten erforschten neurologischen Erkrankungen. Ein berühmter Gehirnforscher sagte: "es ist wahrscheinlich die geheimnisvollste und komplexeste Krankheit, die es, seit Menschen denken können, gibt. Wenn wir das Tourette Syndrom und seine zugrundeliegenden hirnphysiognomischen Dispositionen einmal vollständig erkannt haben sollten, werden wir mit diesem Wissen, viele weitere Rätsel des Menschen gelöst haben."
Wobei wir klar sehen müssen, dass gerade die Hoffnung auf Enträtselung und das Vertrauen in die Wissenschaft, allem auf den Grund zu kommen, dazu führen kann, dass die Angst vor dem Unerklärbaren, die Panik vor dem Seltsamen, Unerwarteten zunimmt.
Deshalb, nicht um die Wissenschaft gering zu schätzen, möchte ich abschließend den Künstler und Dichter Rainer Maria Rilke zitieren:
"Wir haben keinen Grund, gegen unsere Welt Misstrauen zu haben, denn sie ist nicht gegen uns. Hat sie Schrecken, so sind es unsere Schrecken, hat sie Abgründe, so gehören diese Abgründe uns, sind Gefahren da, so müssen wir versuchen, sie zu lieben."
Vielen Dank noch einmal für den Oskar-Kuhn-Preis 2003, er hilft dabei, die Schrecken eines Tourette Syndroms ein bisschen mehr zu lieben.
Relevante weitere Links
Oskar-Kuhn-Preisverleihung 2003
http://www.oskar-kuhn-preis.de
http://www.hauptstadtkongress.de
Photos © by Th. Räse








