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Originalarbeit von Gilles De La Tourette - Fall VI

Fallbeschreibung/Observation VI
Übersetzung: Armin Stang

J. L..., elf Jahre alt, geboren 1873. Die Großmutter mütterlicherseits leidet unter Migräne; der Vater, von Beruf Richter, hat ebenfalls Migräne; die Mutter ist etwas nervös und sehr leicht erregbar; sie hatte eine Fehlgeburt; sie hat zwei weitere jüngere Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Beide haben wir gesehen und sie sind gesund.

J..., erzählt uns der Vater, ist schon immer nervös gewesen; er ist im Allgemeinen ein liebenswertes Kind, jedoch sehr leicht erregbar und ein unerfreuliches Erlebnis, beispiels-weise eine Strafe, bringt ihn in großen Aufruhr. Vor fünf Jahren, im Mai 1879, sind die Eltern nach le Havre umgezogen.

Ein oder zwei Jahre nach ihrem Umzug (sie wohnten davor in der Vendée), fing das Kind an, verschiedene Grimassen zu schneiden; diese Tic-Neigung breitete sich innerhalb kurzer Zeit auf alle Muskeln aus. Es gab Phasen der Verschlimmerung, in denen der Schlaf, der grundsätzlich gut war, unruhig wurde, und der Kranke zusammen mit unkoordinierten Bewegungen ein gellendes ouh! ouh! ouh! ausstoßen mußte.

Einer seiner häufigsten Tics bestand darin, plötzlich aufzuspringen und ouh! zu schreien, wie wenn ihm etwas eingefallen wäre.

Mehrfach wurde das Kind, bei dem sämtliche Behandlungen gescheitert waren, auf's Land geschickt und für sich allein untergebracht. Während dieser Aufenthalte konnte immer eine deutliche Verbesserung festgestellt werden.

Zuletzt war er aufgrund der Empfehlung von Herrn Dr. Gilbert zu seinem Großvater in die Gegend von Rouen geschickt worden, wo wir ihn am 20. Juli 1884 sehen. Es ist ein gut entwickeltes Kind von normaler Statur, intelligent, bei dem sämtliche Allgemeinfunktionen gut ausgebildet sind; er ist hinsichtlich seiner Schulbildung etwas im Hintertreffen, da er sie wegen seiner zahlreichen Landaufenthalte zwangsläufig vernachlässigt hat.

Während wir mit ihm sprechen, zeigen sich in seinem Gesicht leichte krampfartige Tics.

Er schließt die Augen, die Mundwinkel zieht er nach außen, den Kopf neigt er von Zeit zu Zeit mal auf die eine und mal auf die andere Schulter.

Alle Organe und auch das Herz sind gesund; keinerlei Wahrnehmungsstörungen.

Seine Lehrerin läßt uns wissen, daß er beim Spielen oder während eines motorischen Tics häufig sein übliches ouh! wiederholt; außerdem konnte sie feststellen, daß er weder Worte, die er gehört hat, wiederholt, noch daß er unflätige Ausdrücke benutzt.

27. Juli. - Das Kind hatte im Herbst 1882 eine Rachendiphtherie, von der eine Lähmung des Gaumensegels zurückblieb. Die Mutter, so berichtet man uns, glaubt sich daran zu erinnern, daß im akuten Stadium der Krankheit die Tics, obgleich sie nicht völlig verschwunden waren, in einer weniger betonten Art und Weise auftraten, insgesamt gesehen seltener und in abgeschwächter Form.

"Ich habe das ebenfalls so wahrgenommen", sagt der Vater. "Es war in der Tat so, daß die Bewegungsstörungen weniger ausgeprägt auftraten, und wir hatten sogar gehofft, daß er davon befreit wäre, weil er zu jener Zeit einen großen Wurm im Stuhlgang ausschied.

Es trifft zu, daß wir manchmal seine mangelhafte Aussprache, die nur von der Lähmung des Gaumensegels herrührt, seiner nervlichen Erkrankung zuschrieben; diese Lähmung selbst führte wieder zu einem neuen Tic, der jedoch nicht sehr lange anhielt: er sprach bestimmte Sätze, die er begann, in einer verworrenen und unverständlichen Weise aus - ich glaube, er imitierte das, was er zuvor als Folge der Lähmung entwickelt hatte.

Übrigens, den ersten Tic, der uns bei ihm auffiel, beobachteten wir vor gut sechs oder sieben Jahren, - es war ein Augenblinzeln -, welches er von einem Kind übernommen hatte, das wir häufig in der Vendée gesehen hatten. Außerdem vernehme ich hier tagtäglich ein "ou, ou, ou", welches er auf den Straßen hört und das er seit drei Monaten nachahmt und von dem er noch nicht völlig befreit ist".

Im Oktober 1884 bringt der Vater seinen Sohn in die Sprechstunde von M. Charcot, der die Diagnose bestätigt.* [Anmerkung]

Da sich der Patient inzwischen in einem verhältnismäßig günstigen Zustand befindet und sich nur noch einige unspezielle Tics zeigen, empfiehlt M. Charcot die Rückkehr in die Stadt und die Wiederaufnahme geistiger Beschäftigung, allerdings ohne sich zu überanstrengen.

* Anmerkung d. Lektors:
Aus dem Textverlauf wird nicht ersichtlich, was Dr. Tourette zu der Äußerung "[...] M. Charcot, der die Diagnose bestätigt" veranlasst haben könnte. Da im vorliegenden Fall (Observation VI) neben motorischen und vokalen Tics nur noch leichte echolale und nicht wie in bisherigen Fällen dieser Originalstudie komplexe echolale und koprolale Symptome der Betroffenen beschrieben wurden, ist es durchaus denkbar, daß Dr. Tourette seine Diagnose durch M. Charcot bestätigen lassen wollte, es handle sich hier um die gleiche Erkrankung wie in den bereits geschilderten Observationen.


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