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Originalarbeit von Gilles De La Tourette - Fall V
Fallbeschreibung/Observation V
Übersetzung: Langenscheidt Übersetzungsservice
Ch...., vierzehn Jahre alt, geboren im August 1870 in Le Havre, wo er immer noch wohnt. Es scheint keine erbliche Vorbelastung väterlicherseits zu geben; nachdem der Vater einen Lebensmittelladen geführt hatte, ist er jetzt Rentner. Die Großeltern mütterlicherseits zeigen keine Auffälligkeiten. Die Mutter, groß, blond, apathisch, verlor 1868 ein Kind wegen einer akuten Erkrankung, die nur vier oder fünf Tage dauerte. Sie empfand darüber einen tiefen Schmerz und wurde danach zunehmend dement. Beinahe zwei Jahre lang litt sie unter einem leichten Wahn, zeigte ein monomanisches Interesse an Blumen, spielte das kleine Mädchen, usw. Nach und nach wurde sie jedoch wieder gesund.
Das Kind, das sie 1878 gebar, litt nie unter ernsthaften Krankheiten, wenngleich es in den ersten Lebensjahren ziemlich schwächlich war. Frühzeitig gab man ihm Unterricht im Turnen, dem es sich bald mit Leidenschaft widmete.
1878 bemerkten die Eltern, dass er (Ch....) Grimassen schnitt; er zeigte eine Reihe von Tics im Gesicht, denen man zunächst kaum Aufmerksamkeit schenkte. Allmählich generalisierten sich diese unkoordinierten Bewegungen und griffen auf Arme und beide Beine über, das Kind zeigte bizarre Bewegungsabläufe, ging in die Knie, sprang auf der Stelle. Manchmal öffnete und schloss er den Mund mit solcher Kraft und dermaßen abrupt, dass er sich in die Unterlippe biss, bis sie blutete.
Alle Behandlungsmöglichkeiten wurden versucht und blieben erfolglos: 1883 suchten die Eltern Monsieur Charcot auf (berühmter Neurologe am Pariser Krankenhaus Salpêtrière - Anm. d. Lektors). Wir sehen Ch.... in Le Havre am 12. Juli 1884. Für sein Alter ist er ein großes Kind, blass und anämisch, das in der Physiognomie sehr seiner Mutter ähnelt. Er ist intelligent und antwortet sehr genau auf all unsere Fragen. Nie, so scheint es, hat er während seiner Bewegungsstörungen Schreie oder Schimpfwörter ausgestoßen. Während wir ihn untersuchen, blinzelt er mit den Augen und dreht gleichzeitig den rechten Arm mehrere Male schnell nach innen. Diese >Bewegungen< haben übrigens sehr nachgelassen, besonders an Heftigkeit.
Die Untersuchung des Herzens und der anderen inneren Organe läßt nichts Besonderes erkennen; das allgemeine und besondere Empfindungsvermögen ist stabil.








