Multiple Ticstörung - das Tourette Syndrom
Komorbidität, Tic-Zwang, Therapie
Dr. Mara Stamenkovic, Wien, Österreich
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Die Ätiopathogenese des Tourette Syndroms ist noch unklar. Eine genetische Beteiligung gilt als erwiesen. Zwillingsuntersuchungen berichten bei eineiigen Zwillingen von einer Konkordanz von 53 % und bei zweieiigen Zwillingen von einer 8 %-igen Konkordanz. Aufgrund der Geschlechtsverteilung (Frauen: Männer = 1:4) wird ein autosomal-dominanter Erbgang mit unterschiedlicher Penetranz für die Geschlechter vermutet. Genetische Koppelungsuntersuchungen (Linkage) erbrachten jedoch bisher keine Hinweise auf einen einzelnen Genlokus. Auf der Neurotransmitterebene wird hauptsächlich eine Beteiligung des dopaminergen (D2), serotonergen (5HT-2) sowie Alpha-2-adrenergen Systems diskutiert.
Komorbidität Freeman et al. erstellten eine multizentrische Datenbank, in der die Klinik und Komorbidität von 3500 TS-Patienten untersucht wurden. Im wesentlichen zeigen diese Daten gute Übereinstimmung mit früher erhobenen Befunden und sind in der folgenden Zusammenstellung mit einbezogen. Dieser Untersuchung zufolge weisen nur etwa 11-12 % der TS-Patienten keine Assoziation mit weiteren psychiatrischen Störungen auf.
Tics und Zwangsstörungen Bereits Meige und Feinde, erkannten 1903, dass die Häufigkeit, mit der Tics und Zwänge gemeinsam auftreten, nicht nur zufällig sein könne. Zwischen 30 und 65 % der Patienten mit TS leiden an Zwangsstörungen. Komplexe motorische Tics weisen häufig phänomenologische Ähnlichkeiten zu Zwangshandlungen auf und sind nicht immer eindeutig von diesen abzugrenzen: Repetitive komplexe Bewegungen, wie z.B. Zupfen am Bart, könnten sowohl als komplexer motorischer Tic als auch als Zwangshandlung klassifiziert werden. Moll et Rothenberger beschrieben ein Symptomkontinuum zwischen Tics und Zwängen. Die beiden Autoren ordnen zweckorientierte Bewegungen den Zwangsphänomenen zu, und Bewegungen, die eher durch die betroffene Muskelgruppe definiert sind, den komplexen motorischen Tics. Zwangshandlungen treten häufig als Reaktion auf Zwangsgedanken auf, die Angst oder Unbehagen erzeugen, und zielen darauf ab, diese zu reduzieren. Es wurde vorgeschlagen, dass Zwangsstörungen, die bei TS-Patienten auftreten, als integraler Teil des symptomatischen Spektrums der Grunderkrankung und nicht als separate Erkrankung im Sinne einer Komorbidität verstanden werden sollten.
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