Aachener - Jülicher Studie: fMRI und Tourette-Syndrom
Irene Neuner und Frank SchneiderUnter funktioneller Kernspintomographie (fMRI) versteht man ein Verfahren, bei dem man mittels des Kernspintomographiegerätes die Signale des Gehirns in einem magnetischen Feld durch hochsensible Sensoren auffangen und verarbeiten kann. Werden durch den Patienten im Gerät bestimmte Aufgaben, z.B. Rechenaufgaben oder Gedächtnisaufgaben gelöst, kann man mittels der funktionellen Kernspintomographie die Gehirnareale feststellen, die bei der Aufgabenlösung aktiv sind. Dazu wird der Effekt einer veränderten
Durchblutung in den aktivierten Arealen benutzt, Fachausdruck der sogenannte BOLD-Effekt.
Die Untersuchung wird durch die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen unterstützt.
Das Kernspingerät steht in einem besonderen Raum. Vor dem Betreten dieses Raumes müssen Sie Uhr, Brille, Schmuck, Metallteile an der Kleidung (Gürtelschnalle) ablegen. Auch Münzen oder Scheckkarten (Magnetstreifen wird gelöscht) dürfen nicht mit in diesen Raum genommen werden. Während der Messung liegen Sie auf einer beweglichen Liege, die langsam in eine ca. einen Meter große Öffnung hineinfährt. Während des ersten Teils der Untersuchung müssen Sie zunächst ruhig liegen, in den weiteren Teilen sehen sie in ca. 20 cm Entfernung auf einem Bildschirm Aufgaben, die sie bearbeiten müssen. Zur Beantwortung der Aufgaben erhalten Sie im Gerät eine Tastatur mit 2 Antworttasten. Die Durchführung der Kernspinuntersuchung wird im Forschungszentrum in Jülich am Institut für Medizin stattfinden. Wir werden Sie von Aachen nach Jülich begleiten.
Der Untersuchung in Jülich wird ein Untersuchungsteil in Aachen vorangehen. Dieser wird aus folgenden Elementen bestehen: Gespräch über die bisherige Krankengeschichte (Vorbefunde, Medikamente, weitere Behandlung), Gespräch über die aktuelle Situation, internistische und neurologische körperliche Untersuchung, Ableitung eines EEG´s (Hirnstromkurve) und neuropsychologische Testung. Wir möchten Sie zusätzlich um eine Blut- und Urinprobe bitten. Während der neuropsychologischen Testung werden wir Sie bitten, verschiedene Fragebögen zu beantworten und am Computer Tests zu bearbeiten, die z.B. die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses oder der Aufmerksamkeitsspanne dienen. Ziel dieser Testung ist es unter anderem zu prüfen, ob Sie zusätzlich an einem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom oder einer Zwangserkrankung leiden. Das Tourette-Syndrom ist häufig mit diesen Erkrankungen kombiniert. Wenn sich dies bei Ihnen zeigen sollte, können wir Ihren behandelnden Ärzten vielleicht wertvolle Hinweise für eine medikamentöse / verhaltenstherapeutische Therapie geben.
Ziel der fMRI-Untersuchung ist es zu untersuchen, welche Gehirnareale vor / während der Tics aktiv sind und wie sich Aufgaben, die Konzentration erfordern, auf die Entstehung / Anzahl der Tics auswirken und welche Gehirnareale dabei aktiv sind.
Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der dem Tourette-Syndrom zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen dienen. Wer an dieser Studie teilnehmen möchte, kann sich zunächst im Rahmen der ambulanten Tourette-Spezialsprechstunde im Aachener Klinikum vorstellen. Bei dieser Gelegenheit können noch offene Fragen beantwortet werden und geprüft werden, ob die Interessenten 'fMRItauglich' sind. Alle Interessenten, die Metall im Körper haben (z.B. nach Knochenbrüchen oder als nicht ablegbares Piercing), einen Herzschrittmacher tragen, großflächige Tätowierungen haben oder schwangere Interessentinnen können nicht teilnehmen.
Die Untersuchungen werden zwei Tage in Anspruch nehmen. Wir bemühen uns, eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Tourette-Gesellschaft ist dankenswerter Weise bereit zusätzlich eine Übernachtung zu finanzieren. Wir werden zunächst eine Voruntersuchung der zu verwendenden Tests mit einigen Patienten durchführen. Die Rekrutierung wird ab August erfolgen. Für Rückfragen oder Interesse an einer Teilnahme melden Sie sich bitte bei Frau Dr. Neuner.
Dr. med. Irene Neuner
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
RWTH Aachen
Pauwelsstr. 30
52074 Aachen
Email: ineuner@ukaachen.de








